Australien Aborigines
Die Aborigines, die australischen Ureinwohner, gehören zu den ältesten Zivilisationen der Welt. Abgesehen von den letzten 200 Jahren etwa hatten die Aborigines fast keinen Kontakt zur übrigen Welt und zu anderen Völkern. Sie waren so stark mit ihrem Land und ihren Ahnen verbunden, dass sie im Gegensatz zur weißen Bevölkerung in den entlegendsten Winkeln Australiens leben konnten.
Der Beginn der Besiedlung des australischen Kontinents lässt sich nur sehr ungenau bestimmen. Schätzungen der Wissenschaftler gehen 60.000 bis 120.000 Jahre zurück. Ebenso unklar ist die genaue Bevölkerungszahl. Zum Zeitpunkt des Beginns der europäischen Invasion sollen zwischen 750.000 bis 3 Millionen Aborigines in Australien gelebt haben. Sie waren damals bei weitem kein einheitliches Volk. Es gab wohl über 300 Sprachen und die Lebensarten unterschieden sich je nach Stammesgebiet. Zum Leidwesen der Aborigines wurde ihre eigene Welt mit dem Eintreffen der Europäer massiv erschüttert. Noch im 19. Jahrhundert ging man davon aus, dass die Aborigines ein dem Untergang geweihtes Volk sind. Sitten, Rituale und ihr Glaube stießen bei den Europäern mehrheitlich auf Ignoranz, Intoleranz und Ablehnung.
Im heissen Herz Australiens, im Outback mit seinem einzigartigen Erosionsrest - dem ULURU - leben auch heute noch Aborigines, die ihren verborgenen Weisheiten und Mythen in ihrer Kunst Ausdruck verleihen. Neben der Kunst ist auch die Musik ein fest verankerter Bestandteil der Kultur der Aborigines. Viele Zeremonien wurden mit Tänzen und Gesängen begleitet. Gewöhnlich wurde mit Stöcken oder dem YIDAKI (Didgeridoo - ein langer ausgehölter Stamm eines Eukalyptusbaums, der als das typische australische Blasinstrument gilt) musiziert. Den Gesängen und Tänzen kamen zahlreiche Aufgaben zu. Sie dienten der Kommunikation, vergegenwärtigten die Totemidentität des Stammes, unterwiesen die Mitglieder in den Stammesgesetzen und erinnerten sie an ihre gemeinsamen Verpflichtungen gegenüber der Gruppe. Einige erzählten Mythen, Geschichten und Erlebnisse oder dienten dem Heilungsprozess bei Krankheiten.
Die Gesetze und der Glaube der Aborigines sind von der Traumzeit geprägt, die ihre Lebensbasis darstellt. Sie basiert auf der Mythologie der Schöpfungsgeschichte. Danach sollen sich riesige Schlangen aus dem Erdinnern erhoben haben und auf ihrer Traumzeit-Wanderung Berge, Flüsse und Wälder erschaffen haben. Andere Ahnen erschufen die Sonne, Sterne und Regen, den Menschen und die ganze Natur. Viele dieser Orte, an denen diese Vorfahren aus der Erde kamen, sind den Aborigines heilig und sind Stätten für Rituale. Sie werden entsprechend überwacht. Die Aborigines glauben an eine sterbliche und eine unsterbliche Seele, die sich mit ihren Vorfahren verbunden fühlen. Die Ahnen beschützen, bringen aber auch Unheil über die Menschen. Dabei gibt es viele verschiedene Totems. Die Traumzeiten sind eng mit der Landschaft verwurzelt und haben (für uns unsichtbare) Spuren und Markierungen hinterlassen. Den Aborigines gelingt es so, auch über riesige Entfernungen, Kontakt und Orientierung zu halten.

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